
Schifferzunft
seit über 600 Jahren

Mehrere Danziger Tageszeitungen druckten
im Jahr 1937 gleichzeitig fast
gleich lautende Aufsätze. Diese Aufsätze sind der
Redaktion des DANZIGER
SEESCHIFF 's von einem Kameraden der Danziger Seeschiffer zur
Verfügung gestellt und im folgenden
geringfügig überarbeitet wiedergegeben:
Die
Tradition des Seeschiffervereins
Dr. Wendland vom
Danziger Staatsarchiv erforschte die Geschichte des Danziger
Seeschiffervereins und die seiner Vorgänger. Aus seinen
Forschungen geht hervor, dass der Seeschifferverein eine sehr alte
Tradition zu wahren hat. Zum ersten Male urkundlich erwähnt
wird eine Korporation von Kapitänen, qualifizierten Seeleuten
und vermutlich auch Reedern aus Danzig in einem Dokument vom 4.
März (Estomihi) 1386. Die hier bewahrte Urkunde aus Pergament
und mit dem Siegel des Dominikanerkonvents und Priors zu Danzig
versehen enthält die Verpflichtung der hiesigen Dominikaner,
für das Heil der Zunft der Seeschiffer gegen eine einmalige
Zahlung von 30 Mark und die jährliche Lieferung von zwei
Tonnen Heringen eine tägliche Messe zu halten. Es hat also
bereits vor dem Jahr 1386 eine nach der Art der übrigen
Gewerbe organisierte, reguläre Zunft der Seeschiffer gegeben.
Die älteste
Seeschifferzunft
Es unterliegt keinem
Zweifel, dass diese Schifferzunft schon bald nach der Gewinnung Danzigs
durch den deutschen Ritterorden (1308) gegründet wurde und
offensichtlich bereits vor 1350 bestanden hat. Doch sind aus ihren
Anfängen weder die Statuten, die sogenannte Rolle, noch
sonstige Archivalien erhalten, abgesehen von der oben beschriebenen
Urkunde, die das sogenannte Seelgerät der Zunft verbrieft. Wir
wissen auch nichts Näheres über die Gründer,
Mitglieder und inneren Verhältnisse der Seeschifferzunft.
Sicher haben ihr alle Skipper, d.h. selbständigen
Schiffsführer und Kapitäne angehört. Deren
gab es zwei Klassen: Einmal die Mitbesitzenden am Schiff und auch nicht
selten an der jeweiligen Ladung partizipierenden Schiffer, sodann die
Setzschiffer, d.h. die an dem Schiffsbesitz nicht mitbeteiligten
Kapitäne. In vielen Fällen waren die
Kapitäne selbst Unternehmer und Alleinbesitzer des Schiffes,
also selbst Reeder und Schiffsführer in einer Person. Meistens
aber gehörte ihnen wenigstens ein mehr oder minder
großer Anteil an dem von ihnen geführten Schiff.
Sogar Paul Beneke bedang sich 1472 bis ’73 eine
Mitbeteiligung an dem Grauten Karweel, seinem Kriegs- und
Admiralitätsschiff, aus und erhielt tatsächlich um
seines Namens Willen ein Sechzehntel an dem Schiff geschenkt. Auch die
meist aus Seefahrern zunächst hervorgehenden Reeder waren
höchstwahrscheinlich Mitglieder der Seeschifferzunft, ebenso
wie die verantwortlichen Steuerleute, die sich daher auch congubernator
(Mitleiter) nannten, und die Lotsen, deren sich bereits im 15.
Jahrhundert in allen Hansestädten eine große Anzahl
nachweisen lässt, auch wenn der durch Hanserezeß von
1447 eingeführte Lotsenzwang nie zur Durchführung
gelangte. Die Zunft vertrat die Berufsinteressen der Mitglieder,
pflegte Geselligkeit und ließ sich die Versorgung verarmter,
kranker und alte Zunftangehöriger angelegen sein.
Die Schifferbank im
Artushof
Die gegen Ausgang des
15. Jahrhunderts (nach 1481) begründete Schifferbank im
Artushof ist eine klubartige, speziell der Geselligkeit und
gegenseitigen zwanglosen Verständigung dienende
Berufsvereinigung. An ihr durften sich aber nicht die des Hoves
widrigen, also die sozial niedrigen Seeleute beteiligen. Sie sorgte
für die Aufnahme und Bewirtung auswärtiger und
befreundeter Standesgenossen und für das Ansehen der Danziger
Seeschiffer nach außen. Man nahm an den wohltätigen
Spenden, kirchlichen Veranstaltungen und bestimmten Zeremonien teil.
Die Seeschifferbank (auch einfach Schifferbank) des Artushofes,
gelegentlich auch als Schiffergilde oder Schifferbrüderschaft
bezeichnet, wird urkundlich erstmals am 6. Juni 1508 erwähnt.
Sie verehrte wahrscheinlich den heiligen Jakob als ihren besonderen
Schutzheiligen, der als Schutzpatron der Schiffer und als
Schönwetterheiliger galt. Wie weit die Schifferbank mit der
Seeschifferzunft zusammenhing ist nicht feststellbar. Vermutlich
gehörte ihr nur ein kleiner, aus besonders angesehenen und
wohlhabenden, repräsentativen Männern bestehender
Ausschuss der Seeschifferzunft an. Leider ist uns gerade von der
Schifferbank - im Gegensatz zu dem Reichtum des auf uns gekommenen
Archivmaterials der anderen sechs Artushofbanken - nur sehr wenig
Urkundliches (nur 10 Archivralien und Akten mit dem frühesten
Datum 1527, meist aber erst aus dem 17. und 18. Jahrhundert) erhalten.
Im Jahre 1742 wurden die Sitzgeräte der Schifferbank
jedenfalls aus dem Artushof entfernt und zu der Jacobskirche gebracht.
Jedoch blieb die Bank selbst, wenn auch bei schwacher Mitgliederzahl
und nur mehr nominell, bis 1801 bestehen. Geleitet wurde die
Schifferbank von einem alljährlich gewählten Vogt und
einem auf Lebenszeit eingesetzten Statthalter. Als erster dem Namen
nach bekannter Statthalter erscheint im Jahre 1568 Hans Spade, der als
Chronist seiner Zeit noch heute Ansehen genießt. Die
Kür erfolgte jeweils am 6. Dezember, dem Tage des Nothelfers
der Schiffer. Damit verbunden war ein feierliches Mahl, das Gericht
(Schaffermahl) genannt, bei dem es, wie die belegten Kosten beweisen,
recht hoch und üppig herging. Im übrigen
saßen die Angehörigen der Schifferbank allabendlich
zwanglos beim Bier, wobei unter Androhung strenger Strafen auf
Ehrbarkeit, gute Manieren und eine gewisse höfische, dem
Artushof angemessene Etikette gehalten wurde. Am Johannisabend, dem 24.
Juni, hielt die Schifferbank meist eine interne Feier. Hervorgehoben
sei noch, dass die Schifferbank für Kindtaufen und
Beerdigungen ihrer Mitglieder, für die Besoldung von
Kellermeister und Schenken im Artushof, für
Wohltätigkeiten und auch die Artillerie Geldsammlungen
veranstaltete. Ihr Vermögen war zeitweilig
beträchtlich, sie besaß auch wertvolles
Trinkgerät, so einen Prunkbecher, den Willkommen, einen
großen silbernen Umtrunkbecher, genannt Das Schiff und
ähnliche Gefäße mit den bezeichnenden Namen
Kompass, Stundenglas und Tieflot, die aber zum Teil schon im 18.
Jahrhundert verkauft wurden.
Nachdem der Artushof
1742 Börse geworden war, führte die Schifferbank
ebenso wie die anderen Artushof-Brüderschaften ein stilles,
sehr bescheidenes Dasein und trat im allgemeinen nur einmal im
Frühwinter jedes Jahres zu einer Vogtmahlzeit, d.h. einem vom
Vogt ausgerichteten einfachen Essen, vollzählig zusammen. Auf
Anregung des letzten Vogtes Johann Nathanel Pöwe
löste sich die Schifferbank durch Beschluss vom 5. Januar 1801
auf. Ihr verbliebenes Kapital und ihr Eigentum gingen auf die 1793
gegründete Schifferwitwenkasse über, deren Direktor
damals der Schifferbankvogt Pöwe war. Die Schifferwitwenkasse
war wiederum aus der Interessen- und Rechtsnachfolgerin der
Schifferzunft, der wohl schon gegen 1780 gegründeten Danziger
Seeschiffergesellschaft, hervorgegangen. Wie lange diese beiden
Korporationen bestanden haben und wie sie mit dem heutigen Danziger
Seeschifferverein zusammenhängen, eine unmittelbare Beziehung
liegt zweifellos vor, konnte bisher nicht ermittelt werden.
Das St-Jacobs Hospital
Endlich ist noch des
St-Jacobs Hospitals zu gedenken. Im Jahre 1414 befand sich bereits auf
jungstädtischem Gebiet ein Siechenhaus der Schiffer. Am 18.
März 1415 weihte der Generalvikar des für Danzig
zuständigen Bischoffs von Leslau eine daneben errichtete
Kapelle zu Ehren des heiligen Jacobus, daher St. Jacobuskirche. Er
bestätigte das bereits vom Ordenshochmeister um 1414 den
Schiffern erteilte Privileg, die Tapferkeit der Danziger Schiffer und
Schiffskinder in den Kämpfen des Ordens gegen Polen besonders
zu rühmen. Nach neuer Privilegierung und Landschenkung durch
den Hochmeister Paul von Rusdorf im Jahre 1432 wurde ein neues,
geräumiges Siechen- und Krankenhaus, nebst einer
größeren Jacobskapelle errichtet und geweiht. Auch
in dem Privileg Paul von Rusdorf werden die Kriegstaten der Danziger
Schiffer in den Jahren 1410 und 1411 mehrfach gelobt. Unter anderem
wird ausdrücklich festgelegt, dass in der täglichen
Messe der Hospitalkapelle der damals Gefallenen zu gedenken sei. Die
Schifferzunft stand in engem Verhältnis zum Jacobshospital,
kam in einem dazugehörigen Hause zum Trunk zusammen und
veranstaltete besondere Sammlungen für das Hospital.
So weit die Ausführungen von Dr. Wendland aus dem Jahr 1937.
Der
Danziger Seeschiffer e.V. Hamburg
1780 war die Gründung der Danziger
Seeschiffergesellschaft erfolgt. Sie war der direkte Vorläufers des 1875 nach dem neuen
deutschen Vereinsgesetz registrierten Verein Danziger Seeschiffer. 1884 war es bereits infolge technischer und sozialpolitischer Entwicklung zum
Zusammenschluss der traditionsreichen Seeschiffervereine von Bremen,
Bremerhaven, Flensburg, Lübeck, Stettin und Hamburg im Verband Deutscher
Seeschiffervereine e.V. gekommen. Seine Ziele waren die Vertretung, Beratung und der Schutz
seiner Mitglieder. Ferner eine sachgerechte Einflussnahme auf technische und rechtliche
Entwicklungen sowie die Förderung der Seeschifffahrt. 1902 folgten auch der Verein
Danziger Seeschiffer, 1903 der Verband Deutscher Kapitäne und
Schiffsoffiziere der Handelsmarine (VDKSdH), 1904 der Verein Hamburger
Elblotsen und 1906 der Verein Deutscher Schiffer auf Kleiner Fahrt.
1929
änderte der VDKSdH seinen Namen in Verband Deutscher Kapitäne und Nautischer
Schiffsoffiziere e.V. (VDKS) und schloß sich dem Zusammenschluss an. Der Verband bestand bis
zur Machtübernahme und löste sich am 6. Mai 1933 auf um politischen Repressalien und einer Gleichschaltung
zuvorzukommen. Die örtlichen Vereine bestanden nun unter behutsamer Führung weiter
und überlebten.
Für den Verein Danziger Seeschiffer hätte 1945 jedoch alles vorbei sein
können. Aber durch den 2. Weltkrieges waren viele Danziger Seeleute
nach ihrer Flucht aus unserem
schönen
Danzig in
und um Hamburg sesshaft geworden. Kapitäne, Kaufleute und andere Landsleute,
die dem Verein schon in Danzig angehörten, fanden sich zusammen und beschlossen den altehrwürdigen Traditionsverein wieder aufleben zu lassen.1952 wurde der
Danziger
Seeschiffer e.V. Hamburg im Vereinsregister angemeldet. Kapitän Herbert Sachweh, der alte 1. Vorsitzende wurde sogar wieder zum neuen
1. Vorsitzenden gewählt. Die Kontinuität blieb so gewahrt.
1952, am 6. Feb. wurde der Verband
Deutscher Seeschiffer Vereine e.V. in das Hamburger Vereinsregister
eingetragen und 1956, am 5. Sept, beim Amtsgericht Hamburg in Verband
Deutscher Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere e.V. (VDKS e.V.)
umbenannt. Zu den sechs Gründern des Verbandes zählte auch der Danziger Seeschiffer e.V. Hamburg. Die anderen Gründungsmittglier waren der Verein Deutscher Seeschiffer zu Hamburg e.V., der Seeschifferverein Columbus e.V. Bremen, der Verein Flensburger Seeschiffer e.V., der Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere a.d. Weser e.V., Bremerhaven und der Verein Hamburgischer Hafenlotsen e.V. Jeder Nautiker erwarbt fortan durch die Mitgliedschaft in einem lokalen
Verein auch eine Mitgliedschaft im VDKS. Mit dem Stand vom 1.1.1995 gehörem dem Verband der Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere zu Hamburg e.V., der Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere "Columbus" v. 1865 e.V. Bremen, der Vereine der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere a.d. Weser e.V. Bremerhaven, der Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere zu Lübeck e.V., der Verein der Kapitäne und Schiffoffiziere zu Rostock e.V., der Verein der Kapitäne und Schiffsoffiziere zu Strahlsund e.V., der Verein Danziger Seeschiffer e.V. Hamburg, die Hafenlotsenbrüderschaft Hamburg, die Bundeslotsenkammer, Hamburg, die Nautiker der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung e.V. und das Flensburger Schiffergelag e.V. an.
Heute nach vielen Veränderungen zählt der Verein Danziger Seeschiffer e.V. Hamburg wieder über sechzig
Mitglieder, die die Bruderschaft zukünftigen Generationen
erhalten wollen und die von
den Vorfahren übernommene Traditionen pflegen.
An jedem 2.
Freitag eines Monats treffen sich die Brüder zwanglos im
Remter im Haus
der Handwerker Innung in Hamburg. Jedes Jahr wird, entweder Ende Januar oder
Anfang
Februar, ein Stiftungsfest ausgerichtet. Mit dazu geladenen Gästen
wird bei Labskaus
satt ein Schaffermahl abgehalten.
Protokolle liegen seit 1952 vor. Damit
die
nicht zum Vorstand gehörenden Mitglieder und diejenigen
Herren,
die weit
entfernt wohnen und unsere monatlichen Treffen
nicht besuchen über unsere laufenden Aktivitäten
informiert
sind, wurden ab dem
10.10.1966 Rundbriefe verschickt. Bis zum
6.12.1986 erschien der 58. Rundbriefe. Etwa ab 1993 wurden die
Rundbriefe dann
jährlich nummeriert. Durch Idee und Engagement unseres
Mitgliedes
Herrn Hermann Behrent erscheint nun eine Vereinszeitung, das DANZIGER SEESCHIFF. Kurzberichte über unsere
Aktivitäten,
Abschnitte über die
Geschichte des Vereins im Zusammenhang mit Reedereien und Schiffen
Danzigs,
Kurzbiographien unserer Mitglieder, Leserbriefe und vieles mehr sollen den Kontakt untereinander fördern.
Das
DANZIGER SEESCHIFF
Seit
dem Jahr 2003 erscheint unsere Vereinszeitung mit dem Titel
DANZIGER
SEESCHIFF in unregelmäßigen Abständen.
Diese Website stellt die bereits erschienenen Ausgaben im Archiv in der
Form von pdf-Dateien zur Einsicht und zum Download bereit. Hier finden sie eine Inhaltsübersicht.

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