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FLENSBURGER SCHIFFERGELAG

 

                                                         Flensburg online: Das Kompagnietor Das Kompagnietor in Flensburg

 

Seit dem Jahre 1602 hatte das Flensburger Schiffergelag seinen Sitz im eigenen Gildehaus, dem Kompagnietor, Schiffbrücke 12. Im Jahre 1996 hat das Schiffergelag dem ECMI - European Centre for Minority Issues – Platz gemacht. Fortan ist das Flensburger Schiffergelag in der oberen Etage der Gaststätte Störtebecker, Schiffbrücke 40,  neben dem  Schifffahrtsmuseum anzutreffen. An jedem dritten Mittwoch im Monat ist ab 17 Uhr  Mitgliederversammlung, und an jedem anderen Mittwoch ab 16 Uhr ein Treffen auch mit Gästen.

Es waren Kaufleute aus der Kirchengemeinde St. Marien, die 1390 eine Gilde gründeten. Noch bis 1578 wird noch von der gemeinsamen Gilde der Kaufleute und Schiffer berichtet. Im Jahr 1580 wurde eine Trennung der Kaufmanns- und Schiffergilde vollzogen. Darum wird das Jahr 1580 heute als Gründungsjahr des  Flensburger Schiffergelag, gegr. 1580, e.V. angesehenIn der ersten Hälfte des Jahres 1581 gab es in Flensburg bereits die selbständige Compagnie der Schiffer, die dann zum Schiffergelag wurde (Gelage = Zusammenkunft). Die Gilde hatte mannigfache Verpflichtungen: Einerseits sozialer Art, darunter Verstorbene ordentlich zu beerdigen, Witwen und Waisen zu unterstützen, gestrandeten Seeleuten eine Wegzehrung zu geben oder aus osmanischer Sklaverei freizukaufen usw.  Anderseits öffentlich rechtlicher Art, z.B. von See einkommende Waren zu wiegen, Gebühren für die Stadt einzusammeln, Liegegelder von den Schiffen zu erheben, Ballast zu verkaufen, den Kran zu verwalten, Werkzeuge und Vorrichtungen für das Kalfatern der Schiffe bereitzustellen, das Seegericht zu besetzen und vieles mehr.  Heute bewahren 48 Gelagsbrüder (Kapitäne), 50 Mitglieder (der Seefahrtstradition verbundene Bürger und Bürgerinnen), 20 fördernde Mitglieder, 16 Gelagsdamen und Witwen im Schiffergelag die alten Traditionen.  So wird z.B. immer noch die Pfennigkasse verwaltet, die 1861 ins Leben gerufene Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Seeleute und deren Hinterlassenen. Die Zinserträge werden zu Weihnachten an Bedürftige aus  Seefahrerkreisen verteilt.  Das Flensburger Schiffergelag arbeitet eng mit dem Schifffahrtsmuseum zusammen. Es beschickt Vorträge und engagiert sich bei maritimen Ereignissen der Heimatstadt Flensburg. Zahlreiche interne gesellige Veranstaltungen finden im Laufe eines jeden Jahres statt. Das Schiffergelag ist Mitglied des Verbandes Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS) und vertritt dort die Interessen seiner fahrenden Gelagsbrüder.

 

Die Schrage  ist die Satzung des Gelags. Die ursprüngliche Fassung dieser Satzung ging im Dreißigjährigen Krieg verloren. Sie wurde 1654 aus dem Gedächtnis wieder aufgeschrieben.

 

                                                          Der Silberschatz des Schiffergelags

 

Der Willkommen ist eine silberne Deckelkanne aus dem Jahr 1612. Sie ist ein Teil des Gelagschatzes. Vor dem Schatz und der geöffneten Lade werden in jedem Jahr bei dem Gelagsfest die neuen Mitglieder mit ihren Ehefrauen feierlich aufgenommen.

Am 12. März 2005 feierte das Flensburger Schiffergelag im Deutschen Haus sein 425 jähriges Bestehen mit einem Gelagfest in größerem Rahmen. Dieses Ereignis nahm das Flensburger Schiffahrtsmuseum zum Anlass, in einer Sonderausstellung die Schiffergesellschaften des Ostseeraumes zusammenzuführen.

Jahreszahlen zum Schiffergelag

 

1420 Gildesatzung der Marien Brüderschaft, der Gilde der Kauf- und Seeleute.

1580 Gründung des Schiffergelages. Flensburg war nach dem Niedergang Lübecks zur bedeutendsten Handelsstadt im skandinavischen Raum aufgestiegen. 200 Schiffe waren damals in Flensburg registriert. Kaufleute und Schiffer hatten getrennte Gilden, wirkten aber in einem Gericht zusammen, das bei see- und handelsrechtlichen Streitigkeiten im Auftrag von Bürgermeister und Rat der Stadt tätig wurde.

1604 Das Kompagnietor wurde fertiggestellt.

1618 - 1648 in der Zeit des 30jährigen Krieges wurde Flensburg von Wallensteins Söldnern und schwedischen Truppen besetzt. Brände und Verwüstungen vernichteten fast alle Dokumente und Schriften, so auch die Schrage des Schiffergelages. Infolge des Krieges entstand eine schwere wirtschaftliche Rezession.

1654 Die neue Schrage, die aus dem Gedächtnis nach der alten Schrage niedergeschrieben worden war, wurde vom Bürgermeister und Rat bestätigt.

1750 beginnt ein wirtschaftlicher Aufschwung. Der Westindienhandel, der bis etwa 1864, also etwa 110 Jahre anhielt, begann.

1807 - 1814 Dänemark und damit auch Flensburg kämpften auf der Seite Napoleons. Dabei ging ein sehr großer Teil der Flensburger Schiffe verloren. Viele Seeleute wurden nach England in Gefangenschaft geführt.

1825 war das Gelag stark verschuldet, und es entstanden Streitigkeiten unter den Gelagsbrüdern.

1846 verlor das Gelag endgültig seine von der Stadt Flensburg 1654 und vom König von Dänemark 1746 zugestandenen Privilegien, z.B. Ballast zu verladen, bei der Verzimmerung von Schiffen Abgaben zu erheben und Parmen (Flotten) und Pechgrapen zu vermieten. Das Flensburger Schiffergelag war nur noch ein privater Verein mit den Zielen, der Geselligkeit zu dienen und führte eine Kasse zur Unterstützung von Witwen- und Mitgliedern des Vereins sowie Leuten des Seefahrtstandes.

Der überwiegende Teil des Gelagschatzes und andere Besitztümer mussten in den folgenden Jahren verkauft werden.

1850 Die Segelschiffe wurden zunehmend von den Dampfschiffen verdrängt.

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